Weinbau

Im Winter erfolgt der Rebschnitt: Die trockenen Zweige werden weggeschnitten, um frischen Zweigen Platz zu machen. Meist bleiben zwei Zweige pro Stock stehen, von denen jeder 5 bis 8 Augen trägt, wie man jene Stellen nennt, aus denen die neuen Triebe sprießen. Der Rebschnitt-Abfall wird später zur Düngung eingeackert.

Unterstützungsmaterial richten: Um die Last der Rebstöcke und zusätzlicher Stürme halten zu können, bedarf es einer starken Befestigung. Jeder Stock wird an eine Stange angebunden; nach jeweils 4 bis 5 Stöcken kommt ein mannshoher kräftiger Pflock. Zwischen den Stöcken und Pflöcken werden Drähte reihenweise übereinander gespannt (siehe Bild oben).

Anbinden: Wenn im Frühling die Reben wieder Saft in die Zweige schicken, werden diese an den untersten Draht angebunden. Neue Triebe werden nach oben gezogen, um eine hohe Laubwand zu erreichen, und an den höheren Drähten befestigt.

Spritzen: Mitte Juni blüht der Weinstock so unspektakulär, daß es kaum auffällt. Um die Blüten vor Pilzbefall zu schützen, wird der ganzen Weingarten gespritzt. Weitere Spritzungen zum Schutz vor Insekten oder Mehltau erfolgen nur nach Warnungen aufgrund genauer Beobachtung.

 

 

Wird nicht gespritzt, können solche Schäden die Folge sein.

Stöcke putzen: Die Stöcke treiben oberhalb der Veredelungsstelle büschelweise aus – diese Triebe werden mehrmals jährlich entfernt, ebenso wie Triebe der Laubwand, die keinen Ertrag versprechen, aber den Stock Kraft kosten (Geiztriebe).

Laubarbeit:  Die erwünschten Triebe werden an die Drähte angebunden bzw. zwischen andere Triebe eingestrickt, bis eine hohe, gleichmäßig dichte Laubwand entstanden ist. Geschickte Laubarbeit läßt nicht übermäßig viel Regen (Schimmelgefahr!), aber ausreichend Sonnenlicht an die Trauben gelangen.

Ausdünnen: Ca. 15 Blätter ernähren eine Traube optimal, worauf manche Winzer die Zahl der Trauben entsprechend reduzieren, um höchste Qualität zu erzielen.

Lese: Mindestens 4 Wochen nach der letzten Spritzung, die für Weine, die trocken ausgebaut werden und frisch-fruchtig schmecken sollen, meist eine gegen die Schimmelart Botrytis ist, erfolgt – je nach Sorte und Reife der Trauben – meist im September und Oktober die Ernte, die bei den Trauben Lese genannt wird. Die traditionelle Leseart ist die Handlese, die nur langsam mit Schere und Kübel erfolgt und vieler Helfer bedarf.

Nach der Handlese liegen im Lesewagen die ganzen Trauben, noch mit den Stielen. Da diese Bitterstoffe enthalten, die nicht in den Wein gelangen sollen, darf hinterher nicht mit großem Druck gepreßt werden. Moderne pneumatische Pressen leisten dies.

Immer mehr setzt sich heute die Maschinenlese durch, da sie schneller vor sich geht und vom Wetter unabhängiger macht. Die Lesemaschine ist so hoch gebaut, daß sie selbst über die heute üblichen Hochkulturreihen paßt und die einzelnen Weinbeeren von den Stielen rüttelt.

Nach der Maschinenlese liegen im Lesewagen nur noch die einzelnen Beeren. Da der Saft in den Beeren nun bereits mit Luft in Berührung kommt, sollte der Preßvorgang möglichst rasch beginnen: Oxydativer Geschmack im Wein ist unerwünscht!

Danach geht es zur Bearbeitung ins Presshaus und zur Lagerung in den Keller. Das Foto hat H.M.Seymann in seinem Keller in Karlsdorf gemacht. Er betreibt dort die WEINHANDWERKEREI in der FLÜSSIGEN LANDSCHAFT um Karlsdorf im Pulkautal: www.seymann-wine.at  Dieses Foto ist auch das Coverbild meines Pulkautal-Buches (siehe unter "Meine Bücher"). 

Anhang: Besonderheiten

Der Jetzelsdorfer Winzer Christoph Bauer erprobt, wie Grüner Veltliner von Stöcken wird, die nicht geschnitten werden. Das Bild zeigt links den Vorsprung in der Entwicklung gegenüber einem "normalen" Weingarten Mitte Mai. In günstigen Jahren entsteht so der opulente Wein Z'raft, der so heißt, wie der Weingarten aussieht.

 

 

Es gibt nicht nur "narrische Kastanienbäume", die im Herbst blühen, sondern auch ebensolche Weinstöcke: Zeitgleich mit reifen Trauben trägt der Weinstock auch Blüten, bei denen die Befruchtung noch nicht abgeschlossen ist (links), und ebenso auch winzige grüne Beeren (rechts) nach bereits erfolgter Befruchtung.